Voyager

Buch 5

Full Circle

Christin Beyer

Der Roman mit deutlicher Überlänge ist unterteilt in mehrere kleinere Geschichten, die sich in zwei großen Storybögen abspielen. Der erste Storybogen betrifft die Fortsetzung der unterbrochenen Erzählung aus Spirit Walk, der zweite Storybogen den Beginn einer grundsätzlichen Zäsur der VOY-Saga mit Kathryn Janeways Tod.

Alles beginnt mit der Entführung von Toms und B'Elannas Tochter Miral auf Boreth. Wir erinnern uns: Im Spirit Walk-Zweiteiler begab sich die frühere Chefingenieurin der Voyager auf die klingonische Klosterwelt, um Nachforschungen über die Kuvah'magh-Prophezeiung anzustellen, mit der sie erstmals im Delta-Quadranten durch ein klingonisches Generationenschiff in Berührung kam. Damals hielten diese Klingonen Miral für das auserwählte Kind, dessen Niederkunft massive Auswirkungen auf das Dasein der klingonischen Spezies haben würde. B'Elanna, obgleich skeptisch, aber immerhin neugierig, begann zu recherchieren.

Zu Beginn von Full Circle wird das Boreth-Kloster dann von unbekannten Klingonen angegriffen und ihr Miral von Unbekannten entrissen. Ausgerechnet der Kahless-Klon erklärt sich bereit, B'Elanna zu helfen - und weiht sie in eine Wahrheit ein, die im klingonischen Reich seit Jahrtausenden im Verborgenen existiert. Zwei religiöse Sekten führen offenbar eine Art Dschihad um die Ankunft der Kuvah'magh - die einen wollen sie in Sicherheit bringen, die anderen umbringen. Und die einzige Chance, Miral zurückzubekommen, liegt darin, beide Gruppen gegeneinander auszuspielen. Zusammen mit Kahless begibt sie sich auf eine geheime Mission.

Auf der Voyager, eigentlich für eine andere Mission eingespannt, gerät Tom Paris außer sich, als er erfährt, dass Frau und Tochter verschwunden sind - und B'Elanna ihm obendrein verschwiegen hat, dass sie weiter tiefer in die rätselhaften Kuvah'magh-Angelegenheit involviert war. Chakotay, welcher derweil voll und ganz zu seiner Rolle als Kommandant gefunden hat, blockt die Ersuche seines Ersten Offiziers, B'Elanna zur Hilfe zu eilen, entschieden ab, da nicht zuletzt die Klingonen den Angriff auf Boreth als interne Angelegenheit behandeln. Glücklicherweise hat Paris eine Fürsprecherin: Admiral Janeway weilt zufällig an Bord, und sie beide bearbeiten Chakotay so lange, den Kurs zu ändern und nach Qo'noS zu fliegen, bis er das Gefühl hat, ein ehemaliger Maquisade halte sich eher ans Protokoll als urechte Sternenflotten-Offiziere. Kanzler Martok hat glücklicherweise auch seinen guten Tag und gestattet der Voyager, an den Ermittlungsarbeiten zu partizipieren.

Im Verlauf dieser ungewöhnlichen, aber doch eben ,Familienmission' unterstützen auch Seven und der Doktor von ihren Thinktank aus die Bemühungen der Voyager, sodass man zuletzt dem Mysterium um die Kuvah'magh auf die Schliche kommt. Tabula Rasa: Offenbar machen die Klingonen so etwas wie eine bedenkliche Deevolution mit und könnten in den kommenden hundert Jahren nicht mehr so existieren wie heute. Kinder wurden bereits mit degenerierten Genomen geboren, was jedoch geheimgehalten wurde. Hier kommt Miral ins Spiel: Da die deevolutionäre Katastrophe schon vor Jahrtausenden vorhergesehen wurde, gaben bestimmte klingonische Gruppen noble Blutlinien weiter. Aber nur Mirals Œ-klingonisch-Ÿ-menschliche DNA hat das Potential, die klingonische Spezies zu retten.

Der folgende Zeitraum - Oktober 2378 bis Juni 2380 - wird im Schnelldurchlauf abgehandelt, denn er umspannt gerade einmal fünfzig Seiten. Hier trifft B'Elanna Vorbereitungen, ihre Tochter in der Öffentlichkeit für tot zu erklären, um endlich Ruhe vor klingonischen Entführern zu haben. Ebenfalls im Vordergrund stehen eine gewisse Captain Eden und ihr Vorgesetzter, Admiral Batiste, im Oberkommando. Eden hat von Beginn der Geschichte an die Aufgabe, die Voyager-Logbücher zu studieren, und man weiß zunächst nicht, was sie vorhat, wenn sie in ausführlichen Interviews mit den aktuellen und ehemaligen Führungsoffizieren Details herausfinden möchte. Das ist umso verwunderlicher, weil die Sternenflotte nach der unmittelbaren Rückkehr des Schiffes in den Alpha-Quadranten beileibe nicht so ein Interesse für die Voyager aufbrachte, jetzt jedoch aus schleierhaften Gründen schon. Dann dringen Gerüchte an Janeway, und sie erfährt im Laufe der Zeit, dass die Sternenflotte offenbar an die Möglichkeit denkt, die Voyager in den Delta-Quadranten zurückzuschicken - ein ebenso irrwitziger wie faszinierender Gedanke.

Der wichtigste Part in diesem Zwischenabschnitt wird vom Zwieverhältnis Janeways und Chakotays bestimmt. Die sicherlich bedeutsamste Szene des ganzen Buches ist eine besondere Gelegenheit, die sich im Rahmen eines Essens in seinem Quartier auf der Voyager ergibt: Sie kommen von Ästchen auf Stöckchen und sind plötzlich bei ihrem eigenen Verhältnis zueinander angelangt. Chakotay traut sich endlich, sich vor ihr seine Gefühle einzugestehen, die in der Episode Resolutions Thema gewesen und dann verschüttet worden waren. Da er den ersten Schritt gemacht hat, deutet auch Janeway ihre Gefühle für ihn an, doch noch hat sie Probleme mit der Vorstellung, der Mann, der so lange ihre rechte Hand war, könnte ihr Liebhaber sein.

Deshalb bittet sie um eine Pause zur Neuorientierung - und stellt ihm etwas in Aussicht: Nach Ende der nächsten Langzeitmission der Voyager sollen sie sich in einem Jahr in Venedig treffen, wo sie bereit sein will, mit ihm einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen - als Liebespaar. Der Leser ahnt Schmerz. Denn sehr bald macht das Buch seinem Namen alle Ehre, der Kreis schließt sich, und man erinnert sich an den Prolog, wo Chakotay in einem Restaurant in Venedig sitzt und auf Kathryn wartet, aber stattdessen kommt nur Marc, ihr Exmann, und teilt ihm die Nachricht von ihrem Tod an Bord eines Borg-Kubus (s. Before Dishonor) mit.

Chakotay, der schwer angeschlagen ist, wird im Zuge fragwürdiger Entscheidungen auf einer Mission von der Sternenflotte in Bezug auf seine Kommandofähigkeit überprüft. Die Interviewsitzungen mit dem neuen Bordcounselor bilden weithin den Rahmen für den zweiten Teil der Geschichte: Über seine Erinnerungen springt die Geschichte zwischen den Jahren 2380 und 2381 vor und zurück, bis in den weiteren Verlauf der Gegenwart nach den Ereignissen aus Destiny. Dabei wird unter anderem auf den Anteil der Voyager an der Rettung des Alpha-Quadranten vor der verheerenden Borginvasion eingegangen.

Letzten Endes erhält die Voyager im Sommer 2381 den Auftrag, als eines von neun mit dem experimentellen Slipstreamantrieb ausgestatteten Schiffen wieder in den Delta-Quadranten zu fliegen. Die Mission ist auf längere Zeit angelegt, soll aber aufgrund der neuen Antriebstechnologie dennoch unkomplizierter werden, eher Monate als Jahre dauern. Es gilt, herauszufinden, ob im Gefolge der Destiny-Ereignisse die Caeliar und mit ihnen die Borg wirklich verschwunden sind und, wenn ja, wie ein Machtvakuum im Delta-Quadranten verhindert werden könnte. Immerhin maß das Borgterritorium ein Vielfaches des Föderationsraums.

Janeway ahnte schon damals nichts Gutes und entwickelte sich zu einer scharfen Gegnerin des Vorhabens von Admiral Batistes Gruppe, die Voyager-Mannschaft wieder zurückzukatapultieren, gerade in Anbetracht der verheerenden Lage vor der eigenen Haustür. Doch nun ist sie tot, und die Argumentation von Batiste erscheint stichhaltig. Wie lange die Voyager diesmal auf der anderen Seite der Milchstraße bleiben soll, ist zudem unklar. Andeutungen gehen in die Richtung, dass es hier nicht nur um den etwaigen Verbleib der Borg geht, sondern um eine grundsätzliche Entscheidung der Föderation, im Delta-Quadranten Fuß fassen zu wollen.

Chakotays gravierender emotionaler Zustand hat ihm eine vorübergehende Suspendierung vom Dienst eingebracht, sodass Eden selbst den Befehl über das Schiff von Admiral Batiste zugeschlagen bekommt. B'Elanna und Miral gelten indes offiziell als Opfer des zurückliegenden Borgüberfalls; (beinahe) niemand ahnt, dass die halbklingonische Mutter geschickt untergetaucht ist, um ihr Kind zu schützen. Seven entscheidet sich als Einzige dagegen, die Voyager auf ihrem Flug zu begleiten. Sie ist, seit die Caeliar die Borg 'befreiten', zwar ohne Implantate, hört aber auch ständig eine rätselhafte Stimme, die sie in den Wahnsinn treibt. Sie muss herausfinden, was es damit auf sich hat, und das ist für Chakotay der Anlass, alles andere hinter sich zu lassen, um ihr zu helfen. Er weiß, wie sehr Seven Janeway am Herzen lag, und sich ihrer anzunehmen, gibt ihm das Gefühl, seinem früheren Captain wieder etwas näher zu sein. So scheint es am Ende, als würden nur sie beide im Alpha-Quadranten zurückbleiben.

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